\documentclass[twocolumn]{article} \usepackage{bridge-i} \usepackage[margin=20mm]{geometry} \usepackage{german} \usepackage[utf8]{inputenc} \usepackage{times} \begin{document} \title{Bridge in kurz} \author{Christoph Berg} %\address{cb@df7cb.de} \maketitle \begin{abstract} Bridge in kurz. \end{abstract} \section{Blattbewertung} Für die Reizung betrachtet man die Stärke und die Farbenverteilung von Blättern. \subsection{Verteilung} Man unterscheidet zwischen Blättern, die \emph{ausgeglichen} verteilt sind, und solchen, die eine oder mehrere lange Farben enthalten. \emph{Ausgeglichene} Blätter haben kein oder höchstens ein Double (nur zwei Karten einer Farbe) im Blatt. Die möglichen Verteilungen sind 5332, 4432 und 4333. Mit solchen Blättern wird man häufig Sans Atout spielen. \emph{Einfärber} haben eine Farbe mit mindestens sechs Karten, aber keine weitere Nebenfarbe mit vier oder mehr. \emph{Zweifärber} haben zwei lange Farben, eine mit mindestens fünf und eine mit mindestens vier Karten. Diesen Handtyp wird der meiste Platz im Bietsystem eingeräumt. \emph{Dreifärber} haben drei lange Farben mit jeweils mindestens vier Karten. (Da das schon zwölf Karten sind, sind als Verteilungen nur noch 4441 und 5440 möglich.) Dreifärber sind meistens schwer zu reizen, treten aber relativ selten auf. \subsection{Punktstärke} Die Stärke eines Blattes misst man in \emph{Figurenpunkten (F)}. Dabei zählen Ass=4, König=3, Dame=2 und Bube=1 Punkt. (Die Zehn wird auch zu den Figuren gezählt, ist aber in dieser Zählweise keinen Punkt wert.) Alle 52 Karten zusammen sind demnach 40 Punkte wert. Zu den Figurenpunkten können noch weitere Punktarten kommen. Wenn man in einer Farbe mit dem Parter gemeinsam mindestens acht Karten hat, nennt man das einen \emph{Fit}. Spielt man mit dieser Farbe als Trumpf (nicht Sans Atout!), so darf man sich Kürzen in Nebenfarben noch \emph{Verteilungspunkte (V)} zählen: Double=1, Single=2, Chicane=3 Punkte. Für jede Trumpfkarte über die acht hinaus zählt man einen \emph{Längenpunkt (L)}. \section{Reizung} Ziel der Reizung ist es, einen zusammen mit den Karten des Partners spielbaren Kontrakt zu finden der möglichst viele Punkte einbringt. Dabei ist man bemüht, dem Partner eine möglichst gute Blattbeschreibung mit der eigenen Verteilung und Punktstärke zu übermitteln. Da Unterfarbkontrakte weniger Punkte bringen und zudem erst ab der Fünferstufe ein Vollspiel sind, versucht man meist, statt Unterfarbe in Sans Atout zu spielen. Die Präferenz ist \begin{enumerate} \item Oberfarbe (\Sp, \He) \item Sans Atout \item Unterfarbe (\Di, \Cl) \end{enumerate} Um auf einer Stufe zu spielen benötigt man eine bestimmte gemeinsame Punktstärke (Abb. \ref{Kontrakttabelle}). Diese Werte sind natürlich nur Anhaltspunkte die je nach Kartenstand auch mal völlig falsch sein können, sie sind in der Praxis doch häufig sehr genau. \begin{figure} \begin{center} \begin{tabular}{|c|c|c|c|} \hline 18--21 & 1 SA & 2 \Sp\He & 2 \Di\Cl \\ \hline 22--24 & 2 SA & 3 \Sp\He & 3 \Di\Cl \\ \hline 25--27 & {\bf 3 SA} & {\bf 4 \Sp\He} & 4 \Di\Cl \\ \hline 28-- & {\bf 4 SA} & {\bf 5 \Sp\He} & {\bf 5 \Di\Cl} \\ \hline \hline 33-- & 6 SA & 6 \Sp\He & 6 \Di\Cl \\ \hline \hline 37-- & 7 SA & 7 \Sp\He & 7 \Di\Cl \\ \hline \end{tabular} \caption{Die Kontrakttabelle \label{Kontrakttabelle}} \end{center} \end{figure} Die Reizung funktioniert prinzipiell so, dass die Partner so lange abwechselnd neue (Vierer-)Farben anbieten, bis ein gemeinsamer acht-Karten-Fit als Trumpffarbe gefunden ist. Parallel tauscht man sich über die gemeinsame Punktstärke aus. Wenn kein Fit gefunden wird, oder ein Unterfarbfit mit genügend Punkten, so steuert man Sans Atout an. Dabei gibt es zwei verschiedene, in einander verwobene Bietsysteme, abhängig davon ob der Eröffner mit einem Sans Atout- oder einen Farb-Gebot beginnt. Die Fortsetzung nach Sans Atout wird weiter hinten in Abschnitt \ref{SA} beschrieben. \subsection{Eröffnung: 12 F} Wenn man {\bf 12 oder mehr Figurenpunkte} hat, eröffnet man die Reizung, ansonsten passt man. Dabei beginnen fast alle\footnotemark{} Reizungen auf der Einerstufe, auch mit starken Händen. \footnotetext{Zu den Ausnahmen kommen wir später} Um Oberfarbfits besser finden zu können, vereinbaren wir für unser Bietsystem, dass wir in der Eröffnung {\bf Oberfarben} nur reizen, wenn es mindestens {\bf fünf Karten} sind. Die Unterfarben dürfen dagegen in der Eröffnung auch mal nur drei Karten sein. (Sonst hätte man z.B. mit 4\Sp{} 4\He{} 3\Di{} 2\Cl{} kein Eröffungsgebot.) Hat man keine fünfer Oberfarbe, so überprüft man als nächstes, ob man eine ausgeglichene Verteilung besitzt. Ist dies der Fall, und hat man zudem noch {\bf 15--17 Figurenpunkte}, so eröffnet man {\bf 1 SA}. (Weiter siehe Abschnitt \ref{SA}.) In allen anderen Fällen eröffnet man die längere Unterfarbe. Sind beide gleich lang, so eröffnet man bei 3-3 1\Cl, bei 4-4, 5-5, usw. 1\Di. (Das oben genannte Beispiel ist damit auch die einzige Verteilung bei der Karo in der Eröffnung nur eine Dreierlänge ist.) \subsection{Antwort des Partners: 6 F} Nach der Eröffnung bietet der Partner, wenn er selbst mindestens {\bf 6 Figurenpunkte} hat (sonst passt er), nun neue Farben an, bis man möglichst einen Oberfarbfit gefunden hat. Weiß man von einem Unterfarbfit, so reizt man trotzdem noch neue Oberfarben, um dort einen Fit zu suchen. Neue Farben sind immer mindestens 4 Karten. Hat der Partner keine weitere Farbe, aber auch keinen Anschluss zum Fit, so reizt er Sans Atout um seine ausgeglichene Verteilung zu zeigen. Mit 6--9 1 SA, mit 10--12 2 SA und mit 13--15 3 SA. (Noch stärkere Hände muss man anders reizen, das behandeln wir hier noch nicht.) Um in der Reizung nicht zu hoch zu kommen, vereinbart man dass man als Antwort auf die Eröffnung nur dann eine Farbe auf {\bf Zweierstufe} nennen darf, wenn man mindestens {\bf 10 Figurenpunkte} besitzt. \subsection{Rückgebot des Eröffners} Hat man keinen (Oberfarb-)Fit mit dem Partner, so beschreibt der Eröffner seine Hand weiter. Kann er keine neue Oberfarbe anbieten, reizt er nun mit ausgeglichenen Händen mit {\bf 12--14} 1 SA, mit {\bf 18--19} 2 SA. (Außer man hatte eine fünfer Oberfarbe, dann mit 15--17 2 SA, mit 18--19 3 SA.) Mit einem Einfärber wiederholt man seine Farbe. Mit einem Zweifärber ist man bemüht seine zweite Farbe zu reizen. Kann man seine zweite Farbe nicht mehr auf Einerstufe reizen, so gibt es hier Einschränkungen um in der Reizung nicht zu hoch zu kommen. {\bf Zweite Farbe ist niedriger als erste:} Diesen Fall nennt man "`billigen"' Zweifärber, da er Bietraum-sparend gereizt werden kann. Hat der Partner auf Einerstufe gereizt, so reizt man nun mit 12--18 seine Farbe auf Zweierstufe, mit 19 oder mehr auf Dreierstufe. Hat der Partner auf Zweierstufe geantwortet, so benötigt man jetzt selbst für die Dreierstufe nur noch 15 Punkte. Mit 12--14 muss man notfalls seine erste Farbe wiederholen, falls die Farbe des Partners höher ist als unsere zweite. (Z.B. können wir nach 1\Sp--2\Di{} nicht mehr unsere \Cl{} auf Zweierstufe reizen, wenn wir keine 15 Punkte haben müssen wir 2\Sp{} wiederholen.) {\bf Zweite Farbe ist höher als erste:} Dieser "`teure"' Zweifärber erfordert eine sogenannte \emph{Revers}-Reizung. Hat der Partner auf Einerstufe geantwortet, kann man ab 16 Figurenpunkten seine Farbe auf Zweierstufe reizen, sonst muss man die erste Farbe wiederholen. Nach einer Antwort auf Zweierstufe braucht man nur 15 Figurenpunkte. \subsection{Ein Fit ist gefunden} Hat man einen Fit gefunden, so zählt man die bisher vom Partner bekannten Punkte zu seinen eigenen hinzu und bietet die Stufe die man nach der Kontrakttabelle in Abb. \ref{Kontrakttabelle} erfüllen kann. Der Partner kann dann seinerseits von der Punktzahl aus der Tabelle die von ihm bisher bekannten Punkte abziehen, seine tatsächliche Punktzahl addieren und den Kontrakt entsprechend erhöhen. Dieser Prozess kann auch mehrmals hin- und hergehen. Zwischenstufen können dabei als \emph{Einladung} benutzt werden, die den Partner fragt, ob er für seine Reizung Minimum oder Maximum besitzt. Beispiel: Eröffner reizt mit 16 Punkten 1~\Sp, Partner antwortet 2 \Sp. Mit 3 \Sp{} kann der Eröffner nun fragen, ob der Partner 6--7 oder 8--9 Punkte hat. Mit Maximum kann der Partner 4 \Sp{} reizen. \subsection{Forcing} Ein wichtiges Konzept beim Reizen ist die Frage, ob ein Gebot \emph{forcierend} (forcing) ist oder nicht. Ein forcierendes Gebot zwingt den Partner noch mal zu reizen, womit auch gewährleistet ist, dass man selbst noch einmal an der Reihe ist. Die Unterscheidung ist leicht: alle \emph{unlimitierten} Gebote, d.h. bei denen die Punktspanne nach oben offen ist, sind forcierend, alle anderen nicht. Insbesondere sind alle SA-Gebote limitiert, d.h. passbar. Alle Farbgebote auf der Einerstufe (nach der Eröffnung) sind forcierend, dagegen ist das Rückgebot auf Zweierstufe beim billigen Zweifärber (z.B. 1\He-1\Sp-2\Cl) limitiert und damit nicht forcierend, auch wenn 12--18 eine sehr große Punktspanne ist. Man vereinbart weiterhin, dass die erste Antwort des Partners auf Zweierstufe neben mindestens 10 Punkten auch noch eine weitere Antwort verspricht, also nicht nur den Eröffner forciert, sondern auch den Partner noch mal ("`selbstforcierend"'). Dies spart Bietraum, da der Eröffner auch mit starken Händen einfach "`nur"' z.B. 2\Sp reizen kann, aber sicher ist, dass er nochmal an die Reihe kommt. \section{Weiterreizung nach SA-Eröffnung} \label{SA} Nach SA-Eröffnung \dots \end{document} % vim:tw=80